Daytona 24h 2021 Team #White

24 Stunden auf verlorenem Posten!

von Pascal Bilski

Das waren sie nun, die 24 Stunden von Daytona oder besser gesagt „Delaytona“. Nach mehreren Stunden Verzögerung startete das Rennen erst am Samstagabend um 19:10 Uhr. Mit mir im Team fuhren Wolfgang, Christian und Gerrit. Es war für uns als Team eine Premiere bei einem so großen Event mitzufahren.

Nach einer soliden Qualifikation mit Platz 17 in der GTE Klasse ging es los. Als Ziel haben wir uns lediglich das Ankommen vorgenommen. Die ersten Stints von Gerrit, Wolfgang und Christian verliefen ohne größere Vorkommnisse.
Bis ich für vierten Stint ans Steuer ging. Wir konnten Platz um Platz gut machen. Leider hing ich dann hinter zwei zu überrundenden Fahrzeugen fest, die sich immer wieder gegenseitig blockierten, obwohl sie von der Platzierung (zu diesem Zeitpunkt P17 und P19) nicht direkte Konkurrenten waren und schon eine Differenz von Runden hatten. So kam es, wie es kommen musste. In der Spitzkehre von T3 setzte ich innen zum Überholen an und verpasste den Bremspunkt. Die Vorderräder haben blockiert und ich rutschte gerade aus. Ich habe alles versucht um den Wagen vor einem Einschlag in die Mauer zu bewahren. Verhindern konnte ich es dennoch nicht. Nach dem doch recht starken Kontakt mit der Mauer war die Lenkung krumm und ich am Boden zerstört. Sollte es schon das Ende sein

Zurück in der Box hieß es dann warten und zittern. Eine Reparaturzeit von gut 24 Minuten inklusive „Optionals“ haben wir beschlossen es nochmals zu probieren. Und tatsächlich, die Lenkung war wieder gerade. Da Auto war jedoch in Sachen Aerodynamik kein Sportwagen mehr, eher ein Elefantenrollschuh. Im Infield war das verschmerzbar. Doch auf einem Hochgeschwindigkeitskurs wie Daytona ist man dann auf verlorenem Posten. P20 hieß es dann für uns mit etlichen Runden Rückstand auf P19. Wir wussten das es aus eigener Kraft kaum mehr nach vorn gehen würde. Gerrit, Christian und Wolfgang gaben weiterhin alles, echte Sportsmänner eben. Sie spulten fast fehlerfrei eine nach der anderen Runde ab. Leider wurde Christian Opfer eines Mitstreiters. Da unser 911 RSR jedoch vorher schon in große Mitleidenschaft gezogen wurde war das nicht ganz so dramatisch. Nach etlichen Stunden des Spottens und Zuschauens ging es für mich in der früh gegen 4:30Uhr erneut ans Steuer. Der RSR sah zwar nicht mehr schön aus und war alles andere als schnell, dennoch fuhr er sich immer noch gut und stabil.

Wobei… stabil ist, was man selbst draus macht. In Eingang zur Busstop verpasste ich den ersten Curb und drehte mich. Es war mir wieder nicht möglich den Einschlag zu verhindern. Und wieder war es mit der Front. Eine Delle hier und da kam dadurch hinzu, doch die Lenkung blieb verschont… Glück gehabt! Kurz geschüttelt und dann gings wieder weiter. Nach meinem Doppelstint übergab ich an Gerrit und Wolfgang. Ich beschränkte mich von dort an aufs Spotten. Gerrit hat zwischenzeitlich nochmal für eine kleine notwendige Reparatur gesorgt, doch P20 war schon fast einbetoniert. Und so langsam rückte das Ende näher.
Für uns ging es nur noch darum anzukommen, denn Spannung trat nur noch auf, wenn mal wieder ein LMP2 zum Überrunden ansetzte. Der Großteil verhielt sich gerade im Infield sehr fair und zurückhaltend. Doch hat der eine oder andere dieses Event wohl für Wreckfest gehalten und vor nichts und niemanden zurückgesteckt. Was man bei einigen Teams an den „Inc’s“ am Ende sehr gut sehen konnte. In der Regel gelten 100 Inc’s für 24 Stunden bevor man die erste Strafe erhält. Ein LMP Team hat jedoch den Vogel mit über 400! Inc’s sicher nicht nur einmal abgeschossen. Ich denke hier sollte iRacing die Voraussetzungen für einige Fahrzeugklassen oder Events nochmal deutlich nachbessern. Wie dem auch sei… den letzten Stint übernahm Gerrit und hat damit für unser Team nicht nur das Rennen gestartet, sondern auch das Auto ins Ziel gebracht.

Am Ende steht für uns Platz 19 nach 778 gefahrenen Runden und lediglich 85 Inc’s auf dem Papier.
An dieser Stelle möchte ich mich beim Team bedanken. Ohne dich Gerrit, dich Christian und auch dich Wolfgang wäre das Rennen nach nicht einmal 4 Stunden wohl vorbei gewesen. Aber dank eurem Sportsgeist haben wir uns zusammengerafft und haben den 911 RSR bis ins Ziel getragen. DANKE für euren Einsatz, für eure tollen Stints, für die Unterstützung beim Spotten und für den Zusammenhalt!!!